Vor 90 Jahren in Veltheim: 81 Tote bei einem Manöverunfall

Auf den Tag genau 90 Jahre ist es her, dass während eines Manövers 81 meist junge Soldaten beim Kentern einer Pontonfähre starben.

<img class="size-full wp-image-1618" src="http://traumland-deutschland.de/wp-content/uploads/2015/03/Veltheim_Denkmal.jpg" alt="Denkmal für die Opfer des Weserunglücks in Weltheim – Foto: © Martina Berg " width="620" height="413" srcset="http://traumland-deutschland project plan.de/wp-content/uploads/2015/03/Veltheim_Denkmal.jpg 620w, http://traumland-deutschland.de/wp-content/uploads/2015/03/Veltheim_Denkmal-300×200.jpg 300w“ sizes=“(max-width: 620px) 100vw, 620px“ />

Denkmal für die Opfer des Weserunglücks in Veltheim – Foto: © Martina Berg

Mit der von Mindener Pionieren in Veltheim gebauten Gier-Pontonfähre setzten am 31. März 1925 in mehreren Fahrten etliche Soldaten ohne Probleme über die Weser. Bei der letzten Fahrt drängten sich 149 Mann auf der Fähre zusammen, fast alles Soldaten der 14. und 16. Kompanie des Ausbildungs-Bataillons des Reichswehr-Infanterie Regiments Nr. 18.

Etwa in Flußmitte kenterte die Fähre vor den Augen der entsetzten Kameraden der 15. Kompanie, die am Veltheimer Ufer noch auf ihre Überfahrt warteten. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen fanden 78 Soldaten aus Detmold, zwei aus Minden und ein Zivilist aus Varenholz den nassen Tod.

Die Bergung der Opfer dauerte sehr lange: erst am 23. April 1925 konnte der letzte Leichnam geborgen werden.

Denkmal am Ehrenhain in Detmold - Foto: © Martina Berg

Denkmal am Ehrenhain in Detmold – Foto: © Martina Berg

Das Entsetzen über das Unglück war gerade in Detmold und vor Ort in Veltheim außerordentlich groß. Am 3. April 1925 wurden acht der Toten im Ehrenhain in Detmold beigesetzt. Die übrigen Soldaten wurden in ihre Heimatorte überführt. Eine Gedenktafel mit einem Gedicht von Paul Warncke erinnert am Ehrenhain an das Weserunglück:

Die hier ruhn, sie mähte der Tod mit mächtigem Schnitte,
Wie im Frühling der Sturm fortreißt Blüte und Blatt.
Jünglinge alle noch fast, mit siebenzig Kameraden,
Sanken in Vaterlands Pflicht sie in die Weser hinab.

Am Unfallort in Veltheim, direkt am Weserufer, wurde am 14. November 1926 ein Mahnmal eingeweiht. Dort treffen sich bis heute Familienangehörige der damaligen Opfer an jedem Jahrestag.

Ein weiterer Standort des Ausbildungs-Bataillons war Hameln. Auch dort gibt es bis heute einen Findling mit einer Inschriftentafel, um der Opfer des damaligen Unglücks zu Gedenken.

Gedenkstein in Hameln - Foto: © Martina Berg

Gedenkstein in Hameln – Foto: © Martina Berg

Ein Schöffengericht in Minden befaßte sich im Juni 1925 mit der juristischen Aufarbeitung des Vorfalls. Der befehlshabende Oberleutnant wurde freigesprochen. Konstruktiv bedingte Mängel der Fähre und unzureichende Vorschriften wurden als Ursachen für das Unglück festgestellt.

Im „Lippischen Kalender auf das Jahr 1926“ wurde ein ausführlicher Gedenkartikel des Bataillonskommandanten Schmidtmann mit einer Ehrentafel der verunglückten lippischen Soldaten veröffentlicht. Diesen Bericht können Sie hier lesen.

Hol Öwer Weserfähre Varenholz - links am anderen Ufer das Mahnmal - Foto: © Martina Berg

Hol Öwer Weserfähre Varenholz – links am anderen Ufer das Mahnmal – Foto: © Martina Berg

Übrigens gibt es auch heute noch bzw. wieder eine Fußgänger- und Radfahrerfähre über die Weser, die die beiden Orte Veltheim (Stadt Porta Westfalica / Kreis Minden-Lübbecke / Niedersachsen) und Varenholz (Gemeinde Kalletal / Kreis Lippe / NRW)  verbindet. Betrieben wird sie von ehrenamtlichen Fährleuten während der Sommermonate. Ab morgen, 1. April 2015, geht es wieder los.

Über Martina Berg (40 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*