Osterräderlauf im lippischen Lügde

Seit über 2000 Jahren ist es in Lügde (Kreis Lippe) bei Bad Pyrmont Brauch, zu Ostern brennende Osterräder auf einer 650 Meter langen Reise ins Tal zu schicken. Und wie jedes Jahr wird dieses heidnische Spektakel auch diesen Ostersonntag, den 5. April 2015 wieder Tausende Besucher anlocken.

Altes Osterrad in Lügde- Foto: © Martina Berg

Altes Osterrad in Lügde- Foto: © Martina Berg

Das Programm des Osterräderlaufs in Lügde 2015

Das Festprogramm zum traditionellen Osterräderlauf in Lügde startet bereits am Karsamstag, den 3. April 2015 ab 14.00 Uhr im Emmerauenpark.

Gegen 17.00 Uhr werden die sechs schweren Eichenräder wieder aus dem Fluss gezogen, wo sie sich seit einer Woche mit Wasser vollgesogen haben. Das Wässern sorgt dafür, dass die Räder das Abbrennen des Strohs am Sonntag heil überstehen. Jedes Rad wiegt etwa 250 Kilogramm und legt durch die aufgenommene Nässe nochmals ordentlich zu.

Osterräder beim Wässern in der Emmer - Foto: © Martina Berg

Osterräder beim Wässern in der Emmer – Foto: © Martina Berg

Der Fanfarenzug Brake begleitet bereits ab 16 Uhr die Bergungsaktion und den anschließenden Umzug durch die Lügder Altstadt.

Der Ostersonntag startet um 13.00 Uhr mit einem Konzert des Blasorchesters der Stadt Lügde, das bis 14.00 Uhr dauert. Anschließend beginnt der Festumzug mit den Osterrädern. Die noch ungestopften Räder werden auf festlich geschmückten Leiterwagen durch die historische Lügder Altstadt gefahren. Ziel des Zuges ist der Gipfel des Osterberges, von dem aus die Räder später zu Tal rollen.

Im Emmerauempark in Lügde - Foto: © Martina Berg

Im Emmerauempark in Lügde – Foto: © Martina Berg

 Stopfen der Osterräder mit Stroh durch die Dechen

Jetzt beginnen Mitglieder des Dechenvereins Lügde damit, die Räder mit speziell für diesen Zweck angebautem Langhalm-Roggenstroh zu stopfen. Im Sommer des Vorjahres wurde dieses Stroh geerntet und in der Dechenscheune aufbewahrt. Und selbst wenn die Ernte einmal nicht so gut ausfällt, haben die Dechen immer genug Stroh für die Osterräder auf Lager.

Das Dechenheim am Brückentor - Foto: © Martina Berg

Das Dechenheim am Brückentor – Foto: © Martina Berg

Das Stroh wird zu kleinen Bündeln zusammengebunden und in die Kreuzbalken der Räder gepresst. Im Mittelpunkt jeden Rades wird eine lange Balancestange mit Keilen befestigt. Diese Stange verhindert beim Lauf ein frühzeitiges Umkippen und hält das Rad auf Kurs. Dieses Präparieren der Räder dauert den ganzen Nachmittag. Zuschauer sind dabei herzlich willkommen.

Start des feurigen Spektakels auf dem Osterberg

Um 20 Uhr wird auf dem Osterberggipfel direkt neben dem Osterkreuz ein großes Osterfeuer entzündet und eine Stunde später ist es dann endlich soweit: ein weit über das Tal dröhnender Kanonenschuss kündigt den Beginn des Räderlaufes an. Gleichzeitig beginnen die Glocken aller Lügder Kirchen zu läuten. Am Fuß des Osterkreuzes werden nun nacheinander die Räder angezündet und den Osterberg hinabgestoßen.

Die Bahn der Räder ist etwa 650 Meter lang. Er wird seitlich von Zäunen und Seilen gesichert und am Zielpunkt im Tal wird jedes Rad mit einem Tusch und dem lauten Beifall der Zuschauer begrüßt. Auf ihrer Bahn ziehen die Osterräder eine feurige Spur aus brennendem, abgefallenen Stroh hinter sich her. Ein wirklich imposanter, mystischer Anblick.

Kreuz auf dem Osterberg in Lügde - Foto: © Martina Berg

Kreuz auf dem Osterberg in Lügde – Foto: © Martina Berg

Nachdem alle Räder ihren Lauf vollendet haben, gibt es noch ein großes Höhenfeuerwerk, für das in diesem Jahr der bekannte Feuerwerker Rohr aus Wedemark verantwortlich zeichnet. Anschließend feiern die Dechen nach getaner Arbeit mit allen Lügder Bürgern und ihren Gästen noch ausgelassen im Festzelt auf der Osterparty bis in die frühen Morgenstunden.

Germanischer Sonnenkult als Ursprung des Osterräderlaufs

Der heidnisch-germanische Sonnenkult brachte den Osterräder-Brauch vor etwa 2000 Jahren hervor. Die brennenden Räder symbolisieren die Sonne und deren Sieg über den langen, dunklen Winter. Die christlichen Kirchen haben immer wieder versucht, diesen heidnischen Brauch zu verbieten. Aber die Lügder waren stur und ignorierten alle Verbote. Und so findet auch heute noch immer jedes Jahr zu Ostern dieses faszinierende Ritual statt.

Parkplätze sind Ostern knapp in Lügde - Foto: © Martina Berg

Parkplätze sind Ostern knapp in Lügde – Foto: © Martina Berg

Wer das Fest einmal miterleben möchte, sollte schon früh anreisen. Obwohl die Stadt Lügde jedes Jahr mehr Parkplätze ausweist und auch einen Buszubringer anbietet, ist es am Nachmittag des Ostersonntags recht schwer, noch einen Parkplatz zu ergattern.

Weiterführende Informationen:

 

Über Martina Berg (40 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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