Engelbert Kaempfer – ein Lemgoer Forschungsreisender am Hofe des Shoguns

Im Jahr 1651 wurde dem Lemgoer Pastor Johannes Kemper der zweite Sohn geboren. Durch seine guten Beziehungen zum lippischen Herrscherhaus konnte er seinem Sohn Engelbert, der sich später wie auch sein älterer Bruder „Kaempfer“ nannte, eine naturwissenschaftliche Ausbildung ermöglichen.

Engelbert Kaempfer zu Pferde, geführt von Imamura Gen’emon Eisei. The History of Japan (1727)

Vielfältige Schulbildung und Studium

Engelbert Kaempfer besuchte bis 1667 die Lateinschule in Lemgo. Dann wechselte er zunächst auf eine Schule in Hameln um anschließend seine Schulausbildung in Lüneburg, Lübeck und Danzig zu komplettieren. Auch sein Studium der Sprachen, Naturkunde, Geschichte und Medizin führte in in drei verschiedene Städte: nach Krakau, Königsberg und nach Uppsala in Schweden. Hier erhielt er die Chance seines Lebens: als Gesandschaftssekretär durfte er ab März 1683 eine königliche Delegation nach Russland und Persien begleiten.

Reise nach Russland und Persien

Die Reise führte ihn von Helsinki über Moskau nach Baku bis nach Isfahan. Kampfer führte akribisch Tagebuch, notierte neben seinen Erlebnissen Fakten über Geografie, Geschichte, Tiere und Pflanzen. Er berichtete als erster Westeuropäer unter anderem die Erdölfelder am Kaspischen Meer.

In Persien trennte er sich von der Delegation und wurde für anderthalb Jahre Arzt bei der niederländischen Vereinigten Ostindischen Companie. Während dieser Zeit besuchte er die Ruinen von Persepolis und beschrieb als Erster die noch unbekannten Schriftzeichen als „Keilschrift“. Er notierte alles Wissenswerte über Volkskunde und Botanik. Besonders interessant ist seine Schrift über die Dattelpalme.

Von Ceylon über Batavia nach Japan

Per Schiff gelangte Kaempfer im Juni 1688 zunächst nach Ceylon (Sri Lanka) und dann nach Batavia (Jarkarta), wo er 1690 den Arztposten der japanischen Niederlassung der Companie antrat. Am 25. September 1690 betrat Kaempfer zum ersten Mal japanischen Boden.

Japan schottete sich damals noch konsequent gegen alle ausländischen Einflüsse ab. Kaempfer mußte schwören, keine Informationen gleich welcher Art außer Landes zu bringen. Was ihn aber nicht daran hinderte, heimlich Aufzeichnungen zu machen und diese auch später mit nach Hause zu nehmen.

Zwei mehrmonatige Reisen zum Hof des Shoguns in Edo (Tokio) waren die Höhepunkte von Kaempfers Japanaufenthalt. Dabei vermass er heimlich die Wege und machte umfangreiche Aufzeichnungen über die Menschen, Ortschaften und Berge auf seinem Weg.

Engelbert-Kämpfer-Denkmal in Lemgo

Nach 10 Jahren Rückkehr in die Heimat

Erst im Herbst 1692 kehrte Engelbert Kaempfer nach fast zehnjähriger Abwesenheit nach Europa zurück. Sein mitgebrachtes „Schmuggelgut“ war für die damalige Wissenschaft ein echter Schatz: viele Aufzeichnungen und Tagebücher, japanische Karten und Bücher, zoologische und botanische Sammlungen sowie sonstige „Pretiosis und Raritäten“.

Eines der spektakulärsten Tiere, die Kaempfer in seinen Aufzeichnungen beschreibt, ist die Japanische Riesenkrabbe, die ihm zu Ehren den wissenschaftlichen Namen „Macrocheira kaempferi“ erhielt.

Von Tsarli in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7252951

 

Nach einem Jahr Aufenthalt in Amsterdam, den er nutzte, um seinen Doktor der Medizin zu machen, kehrte Kaempfer in seine Heimatstadt Lemgo zurück. Hier wurde er Leibarzt des lippischen Grafen und widmete sich hauptsächlich der Aufarbeitung seiner Reiseerlebnisse und naturwissenschaftlichen Beobachtungen.

Nur die „Amoenitates exoticae“ kann Kaempfer zu Lebzeiten veröffentlichen

Engelbert Kaempfer führte zu Hause „ein ruheloses und überaus beschwerliches Leben zwischen Feldern und Höflingen“. Seine Tätigkeit als Arzt des überaus anspruchsvollen Grafen Friedrich Adolf zur Lippe in Detmold waren anstrengend, zeitaufwändig und schlecht bezahlt. Zudem war seine im Jahr 1700 geschlossene Ehe mit einer 30 Jahre jüngeren Frau ein ständiger, kräfteraubender Kampf. So gelang ihm zu Lebzeiten nur die Veröffentlichung der „Amoenitates exoticae“ (Seltsames Asien), die 1712 in Lemgo erschien.

Dieses Buch war als eine Art „Appetitmacher“ auf die noch geplanten folgenden Werke gedacht. Doch leider kam es dazu nicht mehr: Kaempfer starb am am 2. November 1716 im Steinhof (Lemgo-Lieme).

Kaempfers Nachlass liegt heute im Britischen Museum in London

Nach seinem Tod kaufte Sir Hans Sloan, der Gründer des Britischen Museums, den schriftlichen Nachlass und sicherte so die beachtliche Lebensleistung dieses lippischen Forschungsreisenden. Sloan sorgte für die englische Übersetzung. „The History of Japan“ erschien 1727 in London. Erst 1777-1779 erfolgte durch Christian Friedrich Dohm die erste deutsche Auflage, nachdem das Werk bereits 1729 als französische und 1733 als niederländische Ausgabe erschienen war.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts prägte Kaempfers Werk über Japan des europäische Sichtweise auf das Reich der aufgehenden Sonne. Auch wenn die Beschreibungen aus heutiger Sicht stark idealisiert waren.

Lemgo hält die Erinnerung an der Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer lebendig

In Lemgo, der Heimatstadt Engelbert Kaempfers, wird sein Erbe heute geschätzt und gepflegt – auch wenn sich der größte Teil seines Nachlasses noch immer im Besitz des Britischen Museums in London befindet.

Inschrift am Engelbert-Kämpfer-Denkmal in Lemgo

Bereits 1867 wurde auf dem Hohen Wall in neugotischem Schnörkelstil das Kaempfer-Denkmal errichtet. In unmittelbarer Nähe steht ein Haiku-Stein, gestiftet von dem Mediziner Choei Ishibashi im Jahre 1971.

Haiku-Stein am Kämpfer-Denkmal in Lemgo

Das Museum Hexenbürgermeisterhaus und die Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft bieten für Gruppen eine Stadtführung auf Engelbert Kaempfers Spuren durch Lemgo an. Sie dauert ca. 1 1/2 Stunden. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo

Wer jetzt noch mehr von und über Engelbert Kaempfer lesen möchte, kann direkt einmal in meinem Antiquariat Die Bücher-Berg vorbeischauen. Dort finden Sie einige interessante und preiswerte Bücher zum Thema.Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
Über Martina Berg (44 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Engelbert Kaempfer - ein Forschungsreisender aus Lemgo | BuecherSammler

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*