Die Porta Westfalica – wo Kaiser Wilhelm Wacht hält

Porta Westfalica heißt das tiefe Durchbruchtal der Weser zwischen Weser- und Wiehengebirge. Sie liegt im nordöstlichen Teil Nordrhein-Westfalens im Dreieck der Städte Porta Westfalica im Südosten, Bad Oeynhausen im Südwesten und Minden im Norden.

Blick vom Jakobsberg zum Wittekindsberg - Foto: © Martina Berg

Blick vom Jakobsberg zum Wittekindsberg – Foto: © Martina Berg

Im Osten bildet der Jakobsberg mit dem Fernmeldeturm Jakobsberg die eine Flanke des Tales und im Westen der Wittekindsberg mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal die andere Flanke. Im Süden liegt der Große Weserbogen.

Diese reizvolle Landschaft im Kreis Minden-Lübbecke ist ein schönes Wandergebiet. Besonders der Wittekindsberg mit dem weithin sichtbaren Denkmal für Kaiser Wilhelm I. ist ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Plateau des Denkmals aus hat man eine fantastische Aussicht in das Wesertal, die norddeutsche Tiefebene und die umliegenden Ortschaften. Der Blick reicht an klaren Tagen bis zur Domstadt Minden.

Blick vom Denkmal auf die Stadt Porta Westfalica - Foto: © Martina Berg

Blick vom Denkmal auf die Stadt Porta Westfalica – Foto: © Martina Berg

Umkämpfte Weserfurt in historischer Zeit

Um die einzige Weserfurt weit und breit stritten sich schon der liebe Gott und der Teufel, dann der Sachsenherzog Widukind und Kaiser Karl der Große und später dann auch noch Preußen mit den anderen deutschen Ländern. Die westfälische Pforte hat zahlreiche historische Persönlichkeiten kommen und gehen gesehen, geblieben ist bis heute nur Kaiser Wilhelm I. Der steht unter einem steinernen Baldachin und grüßt mit erhobener Hand die Westfalen.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Errichtet wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal es im Auftrag der preußischen Provinz Westfalen in den Jahren 1892 bis 1896. Die architektonische Gestaltung erfolgte durch den Berliner Architekten Bruno Schmitz, der sich in einem Architektenwettbewerb gegen 57 Konkurrenten durchsetzte. Das Standbild des Kaisers schuf der Bildhauer Kaspar von Zumbusch.

Weg zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal - Foto: © Martina Berg

Weg zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal – Foto: © Martina Berg

Bei Baubeginn im Sommer 1892 wurden die Kosten für das Denkmal einschließlich Landerwerb und Zufahrtsstraßen auf etwa 800.000 Mark veranschlagt. Aber wie das bei Großprojekten meist so ist, wurde es dann doch etwas teurer: weit über eine Million Goldmark stand auf der Schlußabrechnung.

Zur Einweihungsfeier am 18. Oktober 1896 kamen neben Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria zwischen 15.000 bis 20.000 Gäste. Seit diesem Tag zieht das Denkmal mit seiner grandiosen Aussicht jedes Jahr viele Besucher an.

Der Denkmalstollen als Rüstungsbetrieb

Der Porta-Sandstein, aus dem das Denkmal erbaut wurde, stammt aus einem Stollen, der in unmittelbarer Nähe der Baustelle in den Wittekindsberg gebtrieben wurde. Der 150 Meter lange, 10 Meter breite und 20 Meter hohe Tunnel wurde 1944 von KZ-Häftlingen zu einem Rüstungsbetrieb ausgebaut. Vier Produktionshallen mit einer Fläche von zusammen 5.320 Quadratmetern dienten der Herstellung von Kugellagern für Jagdflugzeuge. Beschäftigt wurden 30 deutsche Arbeiter und 120 meist ukrainische Zwangsarbeiterinnen. Die Frauen mußten statt 8 Stunden jeweils 12 Stunden am Stück schuften und waren unter kastastrophalen hygienischen Bedingungen in Lagern untergebracht.

Im April 1946 wurde der Stollen auf Befehl des Alliierten Kontrollrates gesprengt. Diese Sprengung riß einer Teil der Ringterassen weg, richtete am Denkmal selber aber keine (weiteren) Schäden an. Durch Beschuß im Jahr 1945 war es aber bereits arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die beschädigten Terrassen sind bis heute noch nicht repariert worden.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal als Ausflugsziel

Bis zum Fuß des Denkmals kann man mit dem Auto fahren. Oben gibt es ausreichend Parkplätze, die kostenlos genutzt werden können. Auch der Zugang zum Gelände und zum Denkmal ist kostenlos. Schöner als die bequeme Auffahrt ist es, auf einem der Wanderwege zum Denkmal aufzusteigen. Es gibt zwei Wege, die beide am Bahnhof Porta Westfalica beginnen. Zum einen den Weg über den Europäischen Fernwanderweg E11 über die Goethe Freilichtbühne und zum anderen über die Wolfsschucht. Der zweite Weg ist zwar länger, bietet aber die schöneren Blicke auf die Weser.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal - Foto: © Martina Berg

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal – Foto: © Martina Berg

Die am Rande des Parkplatzes gelegene Denkmalswirtschaft und der Kiosk sind leider seit geraumer Zeit geschlossen. Denken Sie bei Ihrem Besuch daran, Verpflegung mitzunehmen. Schöne Fleckchen für ein Picknick gibt es rund um das Denkmal genügend.

Kaiser Wilhelm I. in voller Pracht - Foto: © Martina Berg

Kaiser Wilhelm I. in voller Pracht – Foto: © Martina Berg

Kaiser Wilhelm I. mit Lorbeerkranz - Foto: © Martina Berg

Kaiser Wilhelm I. mit Lorbeerkranz – Foto: © Martina Berg

Zahlen und Fakten über das Kaiser-Wilhelm-Denkmal:

Erbaut: 1892-1896. Einwihungsfeier am 18.10.1896
Baukosten: über 1 Mio. Goldmark
Baumaterial: Portasandstein aus dem Steinbruch „Wolfsschlucht“
Mauerwerk: 13.000 Kubimeter
Teppenstufen: rund 3.000 m
Standort: auf rund 210 m ü.NN am Osthang des Wittekindsbergs
Höhe des Denkmals: 88 m
Außendurchmesser des Baldachins: 32 m
Durchmeser des Innenraums: 18 m
Spitze des Baldachins: eine 2,50 m hohe Kaiserkrone mit vergoldetem Kreuz
Material der Kaiserstaue: vernietete Kupferplatten
Höhe der Kaiserstatue: 7 m
Höhe des Sockels der Kaiserstatue: 5,5 m
Uniform des Kaisers: Garde du Corps mit hohen Stiefeln

 

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Über Martina Berg (48 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

2 Kommentare zu Die Porta Westfalica – wo Kaiser Wilhelm Wacht hält

  1. Wolfgang Riechmann // 13. August 2017 um 10:42 // Antworten

    Vielleicht sollte man die Seite aktualisieren. Der Umbau ist eigentlich eine bedeutende Sache.

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