Der Hyllige Born in Bad Pyrmont

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont ist die berühmteste und älteste der Heilquellen, die bereits seit dem späten Mittelalter zunächst für Trinkkuren und später auch für Badekuren genutzt wurde. Die früheste überlieferte schriftliche Erwähnung stammt aus der Zeit um 1350. Der Dominikanermönch Heinrich von Herford (um 1300-1370)  beschreibt darin den Hylligen Born (fons sacer) und den in unmittelbarer Nähe sprudelnden Brodelbrunnen (fons bulliens), dessen lautes Brodeln noch auf Armbrustschussweite hörbar gewesen sein soll.

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont - Foto: © Martina Berg

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont – Foto: © Martina Berg

Es kursierten immer mehr Geschichten von Wunderheilungen durch die Heilkräfte des Pyrmonter Wassers. Der Glaube an die wundertätigen Quellen gipfelte im sogenannten Wundergeläuf in den Jahren 1556 und 1557. Damals strömten über 10.000 Menschen (eine für damalige Zeiten gigantische Zahl) in die Stadt, um von ihren Krankheiten geheilt zu werden.

Hylliger Born Bad Pyrmont bei Nacht - Foto: © Martina Berg

Hylliger Born Bad Pyrmont bei Nacht – Foto: © Martina Berg

Schon 1668 schuf Graf Carl Georg Friedrich die älteste Kuranlage der Welt, indem er ein Brunnenhaus erbauen und die schnurgerade Hauptallee als Spazierweg zum Hylligen Born anlegen ließ. Heute wird der Hyllige Born von einem zwölfsäuligen Brunnentempel überdacht. Errichtet wurde er 1923/24 nach den Plänen von Alfred Sasse (1870-1937), einem Architekten aus Hannover. Direkt hinter dem Hylligen Born erstreckt sich die großzügige Wandelhalle, die ebenfalls 1923/24 erbaut wurde.

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont - Foto: © Martina Berg

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont – Foto: © Martina Berg

Der Brunnenplatz ist der Ursprung und auch heute noch der Mittelpunkt Bad Pyrmonts. Seit über 2000 Jahren sprudeln hier schon die Quellen und genauso lange werden sie als Heilquellen geschätzt. 1863, als der Hyllige Born und der Brodelbrunnen neu gefasst wurden, machte man eine aufregende Entdeckung: in etwa 4 Metern Tiefe steckten im Moorboden mehrere gut erhaltene, umgestürzte Bäume. Zwischen den Wurzeln einer Linde lagen zahlreiche Opfergaben: römische Münzen, eine emaillierte Schöpfkelle, germanische Broschen, Schnallen und Fibeln sowie weitere Alltagsgegenstände.

Hylliger Born Bad Pyrmont mit Kirche - Foto: © Martina Berg

Hylliger Born Bad Pyrmont mit Kirche – Foto: © Martina Berg

Die Fassung der Quelle „Der Hyllige Born“ besteht aus einer Betonglocke, die sich unter dem Brunnentempel befindet. Unter der Glocke sammelt sich das Quellwasser, das mittels CO2-Gasdruck in Vorratstanks in der Wandelhalle geleitet wird. Der Hyllige Born schüttet etwa 4 bis 5 Liter einer Magnesium-Hydrocarbonat-Sulfat-Lösung pro Minute aus, die in kleinen Schlückchen bei leichter Bewegung getrunken werden sollte.  Die Trinkkur dient zur Durchspülung der harnabführenden Wege.

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont - Foto: © Martina Berg

Der Hyllige Born in Bad Pyrmont – Foto: © Martina Berg

Früher – besonders um die Zeit des berühmten Fürstensommers (im Juni 1681 waren nicht weniger als 34 fürstliche und königliche Häupter in Pyrmont zur Kur) – gingen die Kurgäste vormittags zum Brunnenhaus, holten sich ihren „Trunk“ ab und flanierten dann die Hauptallee auf und ab. Damals hatte man noch alle Zeit der Welt, genoß die Ruhe und erfreute sich am „Sehen und gesehen werden“.

Brunnenplatz in Bad Pyrmont - Foto: © Martina Berg

Brunnenplatz in Bad Pyrmont – Foto: © Martina Berg

Pyrmonter Wasser schmeckt übrigens (im Gegensatz zu manch anderen Heilwässern) sehr gut. Und so ist es nicht verwunderlich, das etwa aus der Zeit um 1700 die ersten Berichte über einen Mineralwasserversand in „Bouteillen“ und „Kruken“ existieren. Sie wurden bis nach England, Amerika und sogar Ostindien verschifft.

Pyrmonter Hauptallee - Foto: © Martina Berg

Pyrmonter Hauptallee – Foto: © Martina Berg

Rund um den Hylligen Born ist immer viel Trubel – er bildet das Zentrum der Stadt, von hier aus zweigt die Brunnenstraße ab, die Haupteinkaufsstraße Pyrmonts. Viele Veranstaltungen wie beispielsweise der Fürstentreff finden hier statt. Der Weihnachtsmarkt rund um den Brunnentempel ist klein, aber fein und sehr gemütlich. Ein Besuch Bad Pyrmonts lohnt sich einfach zu jeder Jahreszeit.

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Über Martina Berg (46 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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