Der Alte Friedhof in Saarlouis

Als bekennender Friedhofs-Fan – ich lasse auch im Urlaub fast keinen Friedhof aus – möchte ich Ihnen heute ein wahres Kleinod vorstellen: den Alten Friedhof in Saarlouis (Saarland). Seine große historische und kulturgeschichtliche Bedeutung führte dazu, dass die gesamte Friedhofsanlage als Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen wurde.

Engel auf dem Alten Friedhof Saarlouis - Foto: © Martina Berg

Engel auf dem Alten Friedhof Saarlouis – Foto: © Martina Berg

Der im Jahr 1773 außerhalb der Festung vor dem Französischen Tor angelegte Friedhof verdankt seine ganz besonders romantische und verwunschene Stimmung dem alten Baumbestand und natürlich den wunderschönen Grabdenkmälern, alten Engeln und schmiedeeisernen Kreuzen.

Chronos mit Sanduhr und Buch- Foto: © Martina Berg

Chronos mit Sanduhr und Buch- Foto: © Martina Berg

Dieser „Historische Teil“ wurde im 19. Jahrhundert zweimal erweitert: im Süden durch den „Garnisonfriedhof“ und im Norden durch den sogenannten „Allgemeinen Teil“. Zum Glück blieben in allen drei Teilen viele zeittypische Gräber erhalten. Der Besucher findet so zahlreiche Kunststile: Wuchtige Säulen stehen neben anmutigen Engeln. Blumige Jugendstilranken schmücken Grabsteine, gleich daneben schmücken klassizistische Elemente eine imposante Grapblatte. Ein bärtiger Chronos mit Sanduhr konkurriert mit trauernden Frauengestalten. Seitliche des Haupeinganges steht eine Gruftkapelle, die zu den wenigen Beispielen neugotischer Baukunst auf saarländischen Friedhöfen zählt.

Statue einer Trauernden - Foto: © Martina Berg

Statue einer Trauernden – Foto: © Martina Berg

Aus seinen zahlreichen Gegensätzen – aufwendige Grabdenkmäler stehen direkt neben schlichten Kreuzen – zieht dieser schöne Friedhof seinen besonderen Reiz. Viele Politiker, Geistliche, Militärs und andere Persönlichkeiten wurden hier bestattet: die beiden Saarlouiser Festungskommandanten Carl Ferdinand von Langen und Edmund Wild sowie Michel Reneauld, der erste Preußische Bürgermeister der Stadt.

Die meisten Besucher halten aber Ausschau nach dem Grab des Zirkusjungen Anton Mark, der 1901 im Alter von nur 12 Jahren starb, als er bei einer Galavorstellung auf dem Großen Markt in Saarlouis vom Trapez stürzte. Sein Grab schmückt ein schlichtes, schmiedeeisernes Kreuz mit einem Medaillon, dass Anton stehend auf einem Pferd reitend zeigt.

Grab des Zirkusjungen Anton - Foto: © Martina Berg

Grab des Zirkusjungen Anton – Foto: © Martina Berg

Grab des Zirkusjungen Anton - Foto: © Martina Berg

Grab des Zirkusjungen Anton – Foto: © Martina Berg

Ein anderer Publikumsmagnet ist das Grab von Chim Bebe aus Togo, gestorben 1912 in Saarlouis. Sein Grab ziert die heute politisch nicht mehr ganz so korrekte Inschrift „Hier ruht mein lieber Neger Chim Bebe„.

Auf der Ostseite des „Garnisonfriedhofs“ erinnert ein Denkmal an die 87 Opfer der Explosion der Redoute Choisy. Bei dem Unglück vom 14. September 1916 explodierte ein Munitionslager der Trainkaserne und forderte 96 Tote und mehr als 100 Verletzte.

Unter einem Obelisken, der inmitten der namenlosen Kreuze der Franziskanerinnen aufragt, ist die Gräfin Anne-Elisabeth Grenier gestattet. Sie war die Frau des napoleonischen Generals Paul Grenier, dessen Name auf dem Arc de Triomphe in Paris verewigt ist.

Restaurierter Chronos mit Buch - Foto: © Martina Berg

Restaurierter Chronos mit Buch – Foto: © Martina Berg

Auf dem Garnisonfriedhof stehen auf den Soldatengräbern der Gefallenen aus beiden Weltkriegen schlichte Grabsteine. Freund und Feind liegen hier im Tode einträchtig beieinander: Franzosen, Russen, Italiener und Deutsche. Deutsche und französische Offiziersgräber aus dem Krieg 1870/71 befinden sich am Westrand.

1905 wurde südlich des „Garnisonfriedhofs“ der eigenständige „Israelitische Friedhof“ angelegt. Auf vielen der dort zu sehenden Grabsteinen finden sich Hinweise auf Menschen, die deportiert wurden und durch die Terrorherrschaft der Nazis ihr Leben verloren.

Engelstatue - Foto: © Martina Berg

Engelstatue – Foto: © Martina Berg

Der sehr aktive „Förderverein Alter Friedhof Saarlouis“ sorgt dafür, dass die wunderschönen Grabdenkmäler geschützt und erhalten werden. Schon mehr als 50 Grabmäler konnten Dank zahlreicher Spenden und der Arbeit der Vereinsmitglieder bereits restauriert werden. Wie man an diesem Engel sieht, bleibt aber noch viel zu tun:

Stark beschädigter Engel - Foto: © Martina Berg

Stark beschädigter Engel – Foto: © Martina Berg

Ein Friedhofsgärtner berichtete mir bei meinem Besuch: „Eigentlich müßten wir den Friedhof komplett einzäunen und Nachts bewachen. Sie glauben ja gar nicht, was hier alles von Metalldieben geklaut wird.“ Zentnerschwere Bronzeengel wurden schon abtransportiert, auch unzählige Metallkreuze. Für ein paar Euro werden hier wahre Kunstschätze unwiderbringlich zerstört – echt traurig!

Wenn Sie nach Saarlouis kommen, dann sollten Sie dem Alten Friedhof unbedingt einen Besuch abstatten – wie Sie ja jetzt wissen: es lohnt sich!

Weiterführende Links:
Flyer Alter Friedhof Saarlouis – Download
Homepage des Fördervereins Alter Friedhof Saarlouis

Über Martina Berg (40 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

1 Kommentar zu Der Alte Friedhof in Saarlouis

  1. Da wir ein 2-teiliges Instrumentalstück über den „Zirkusjungen“ Anton Marc aufgenommen haben, habe ich auf unserer Seite einen Link zu Ihrer Seite geschaltet, wo es den schön illustrierten Beitrag zum Saarlouiser Friedhof gibt. Jürgen Schmidt

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