Das Junkerhaus in Lemgo – Werk eines verkannten Genies

Wie oft bin ich eigentlich in meinem Leben an dem skurillen, etwas unheimlich wirkenden Haus vorbeigefahren, das am Ostrand von Lemgo liegt? Und wie oft habe ich mir schon vorgenommen, es mir endlich einmal von innen anzusehen?

Karl Junker (Postkarte, um 1900)

Karl Junker beim Arbeiten am Modell seines Hauses (Fotomomtage / Postkarte, um 1900)

Erst kürzlich habe ich ein interessantes Buch (Joachim Huppelsberg: Karl Junker. Architekt – Holzschnitzer – Maler 1850-1912) über den früher als Wunderling geltenden Erbauer gelesen und jetzt habe ich es tatsächlich geschafft: ich habe das Junkerhaus besichtigt.

Und es war tatsächlich so skurill, unheimlich, wunderlich und märchenhaft, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nein, das stimmt nicht ganz – es war noch viel merkwürdiger.

Dämonische Architektur – Aussenseiterkunst

Durch die zahlreichen teilweise dämonisch wirkenden geschnitzten Holzverzierungen wirkt es allerdings auch recht klein und sehr bedrückend. Strom gibt es bis heute nicht und so ist es im Innern an trüben Tagen sehr dunkel. Es ist mir ein Rätsel, wie ein Mensch darin wohnen konnte. Aber Karl Junker sah in seinem Haus wohl eher ein Kunstwerk denn ein Heim. Trotzdem lebte er von 1891 bis zu seinem Tod im Jahre 1912 hier und hat ständig an dessen Ausstattung gearbeitet.

Junkerhaus in Lemgo (Detail) - Foto: © Martina Berg

Junkerhaus in Lemgo (Detail) – Foto: © Martina Berg

Noch vor einigen Jahren gab es für das heutige Museum keine geregelten Öffnungszeiten – wer der Junkerhaus besichtigen wollte, konnte sich bei Nachbarn einen Schlüssel abholen. Heute gibt es hinter dem Haus einen modernen Museumsbau, der neben dem Foyer einige technische Räume und eine Ausstellungshalle enthält. Hier werden in Wechselausstellungen Werke Junkers gezeigt.

Junkerhaus in Lemgo (Detail) - Foto: © Martina Berg

Junkerhaus in Lemgo (Detail) – Foto: © Martina Berg

Das Haus sollte abgerissen werden

Karl Junker wurde zu seinen Lebzeiten als Künstler nicht so richtig ernst genommen und nach seinem Tod erwog die Stadt Lemgo, das Haus abzureissen. Heute wird Junkers Werk zur Outsider Art gezählt und endlich auch umfassend erforscht. Auf jeden Fall ist sein ungewöhnliches Haus einen Besuch wert. Und wer es besonders gern gruselig mag, der sollte einmal an einer der regelmäßig veranstalteten Taschenlampen-Führungen teilnehmen. Die macht besonders (etwas größeren) Kindern sehr viel Spaß.

Junkerhaus Lemgo (Türdetail) - Foto: © Martina Berg

Junkerhaus Lemgo (Türdetail) – Foto: © Martina Berg

Anschließend fuhr ich noch zum Friedhof an der Rintelner Straße, um das Grab Junkers zu suchen und zu fotografieren. Ich war ein wenig enttäuscht darüber, wie unscheinbar das Grabkreuz mitten auf einer Rasenfläche stand. Die Platte mit der Inschrift ist zerbrochen, kein Schild führt zum Grab dieses bedeutenden Lemgoers, rundherum machte es einen ungepflegten Eindruck. Vielleicht muß man aber froh sein, dass die Grabstätte überhaupt noch vorhanden ist.

Grabstein Karl Junker - Foto: © Martina Berg

Grabstein Karl Junker – Foto: © Martina Berg

Mehr Informationen findet man auf der Homepage des Junkerhauses.

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Über Martina Berg (46 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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